Das Rattenfängerlied

Wenn der Rattenfänger vor Besuchergruppen auftritt,
stellt er sich folgendermaßen vor:

Als Fahrender zog ich durch´s Land, wie´s allerorten war bekannt.
Bis Schauermärchen zu mir drangen, die meinen Weg nach Hameln zwangen.


Denn Ratten plagten diese Stadt, die bald nichts mehr zu beißen hatt´.
Die Bürger litten solche Not, dass ich zur Rettung mich erbot.


Durch meiner Flöte Zaubertöne gab´s ein Gedränge, ein Gestöhne,-
der Ratten ungeheure Zahl ersäuft ich in der Weser Schwall.


Als ich erbat drauf meinen Lohn, gaben mir nur Spott und Hohn
die Bürger und der hohe Rat.- Rache für die Freveltat
schwor ich zu nehmen an den Sündern, und aus den Mauern mit den Kindern
zog ich hinaus zum Koppenberge, wo sonst nur hausten Tier und Zwerge.


Manch´ Forscher glaubt, ich zog sie fort an einen weit entfernten Ort.
Er macht mich nicht zum Bösewichte, ich geh auch ein in die Geschichte.
Durch ein Poem aus Engeland ich eine Schar Bewund´rer fand.


Selbst Dichterfürst Johann von Goethe schrieb ein Gedicht auf meine Flöte.
Er nennt mich „wohlbekannter Sänger“ und sieht mich gar als Mädchenfänger.


Geehrt durch Wissenschaft und Kunst, erweis´ ich Hameln heut die Gunst
und ziehe Fremde in die Stadt, zu zeigen auf die Freveltat,
dass jedermann hält sein Versprechen und niemand wird sein Wort mehr brechen.